Archive for März 2010

NICK HORNBY – Juliet, Naked

17. März 2010

Rockstar in Rente
Nick Hornby hat mal wieder alles zusammen gebracht, womit er sich am besten auskennt: Menschen in und jenseites der 30-somethings, Musik, Liebe und charmante Tragödie.
„Juliet“ ist das Album von TUCKER CROWE betitelt, der in der 80ern mit diesem Herschmerz Opus die Herzen rührte und auch noch heutzutage von einer Handvoll Rockfans fanatisch dafür verehrt wird. Aber Crowe selber ist längst von der Bühne abgetreten, zurückgelassen wurde ein Hauch von Erfolg und eine Alkoholsucht,  aber nicht diverse Ehefrauen, diverse Kinder und ein Haufen ungeklärtem Mentalschrott. Er lebt zurückgezogen auf dem Land und erzieht seinen aktuellsten Sohn Jackson, während dabei die dazugehörige Beziehung zu CAT gerade den Bach herunter geht.
Am anderen Ende der Welt, an der englischen Ostküste brennt hingegen noch ein Feuer für Tucker Crowe und zwar bei Duncan, einem Lehrer mit CROWE-Manie und Annie, die mehr oder weniger lustlos dabei mitzieht.
Als nun nach 20 Jahren ein neues Album von Tucker Crowe auftaucht ( eben „Juliet, Naked“, Aufnhamen und Fragmente aus der Ära, bevor „Juliet“ gänzlich durchproduziert veröffentlicht wurde), dreht die Internetgemeinde der Crowologen durch und nichts ist mehr wie es vorher war.
Außer, daß das Mauerblümchen Annie plötzlich via Internet persönlichen Kontakt zum ex-Rocker Crowe bekommt und von da an nimmt die Geschichte Ihren hornbytypischen, wahnwitzigen Lauf.
Eben diese Story scheint zwar ab der Hälfte des Buches etwas zu klemmen, aber Hornby fährt das Schiff über Umwege dann doch sicher wie immer in den Hafen.
Beide Welten, die des gealterten Rockstars in Pennsylvania und die im zurückgeblieben, englischen Seekaff Gooleness werden exakt von ihm seziert und wer hüben wie drüben nicht ehrenhaft ist, der bekommt auch sein Fett weg. So wollen wir Nick Hornby lesen und ach ja, wenn er beim schreiben eben mal aus dem Fenster geschaut hat, oder in der Nase gebohrt hat, nun, dann kann das ja vielleicht auch bedeuten, dass er schon wieder mit dem nächsten Roman-Stoff Kontakt aufgenommen hat.

http://www.nicksbooks.com/
Weitere Infos:
ISBN: 978-3-462-04139-2
384 Seiten, Gebunden
Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Heilmann
Lieferbar, (D) 19.95€ , (A) 20.60 €, (CH) 33.90sFr

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JOHNNY CASH – Ain´t no grave (American Recordings 6)

17. März 2010

Kein Grab kann ihn halten

“There ain´t ne grave (that) can hold my body down” singt JOHNNY CASH im Titelstück der American Recordings No.6. Dazu wird rhythmisch eine Kiste Sargnägel geschüttelt und man möchte es ihm fast glauben. Nichtsdestotrotz ist der Ausnahme Künstler bekanntermaßen bereits vor sieben Jahren (12.9 2003) gestorben, doch er lebt nicht nur durch seine Country Klassiker weiter, sondern besonders durch die American Recordings, die Ihn seit dem ersten Album der Serie 1994 eine zweite Karriere bescherten und zwar fernab von seinem bisher (zumindest stilistisch ) eingeschränkten Fankreis.
Besonderen Anteil daran hatte Ausnahme Produzent R“o“ck Rubin der für alle 6 Alben  und auch die Box „Unearthed“ verantwortlich zeichnete und zu Cash Förderer bis hin zur letzten Stunde avancierte. Auf „Ain´t no grave“ nun sind die (wirklich?) letzten Aufnahmen vereint, die die beiden zusammen aufgenommen haben.
Im Stile unterscheiden sie sich nicht besonders von den anderen Aufnahmen, es liegt eine Mischung aus ruhigen, fasst tragischen Stücken und einigen treibenden vor, bei denen das Titelstück herausragt. Für den Hörer der die anderen Alben kennt, eröffnen sich also keine neuen Welten, aber wie auch? Vielmehr hört man der teils gebrechlichen Stimme an, das Cash sich mit dem Weg allen Irdischen bereits ausführlich beschäftigt haben musste, während er diese Aufnahmen machte.
Die Mischung aus Coverversionen (u.a. Sheryl Crow, Kris Kristofferson und Tom Paxton) und dem einzigen eigenen Song „I Corinthians 15:55“ macht erneut klar, welch unbändige Kraft Cash seinen und anderen Liedern verleihen konnte. Somit passt das Album perfekt in die Serie, auch wenn es keine wirklichen Überraschungen mehr bereit hält. Johnny:  R.I.P. und bleib im Grab.

http://www.johnnycash.com/

Trackliste:

01. Ain’t No Grave
02. Redemption Day
03. For The Good Times
04. I Corinthians 15:55
05. Can’t Help But Wonder Where I’m Bound
06. Satisfied Mind
07. I Don’t Hurt Anymore
08. Cool Water
09. Last Night I Had The Strangest Dream
10. Aloha Oe

CRAZY HEART – Country Drama mit Jeff „Oscar“ Bridges

17. März 2010

Country Drama a la „Dude“!
(Big) Bad Blake ist ziemlich am Ende. Er hat schon lange keine neuen Songs mehr geschrieben und muss sich und seine Countrysongs von Abend zu Abend durch kleine und kleinste Locations spielen, um nicht zu verdursten.

Und Durst hat er. Besonders auf Whiskey und genau das hat Ihn zum Alkoholiker gemacht. Zynisch, sentimental und zweimal am Tag mit dem Kopf über der Schüssel. Ein wenig Licht kommt erst in seinen Alltag als er die 20 Jahre jüngere Jean trifft und lieben lernt, aber was kann er Ihr schon bieten außer beinharte Gags und eben Cowboyzynismus – er bringt sie damit zwar zum Lachen, aber auch zum weinen.

Als sein einstiges Protegé Tommy Sweet (COLIN FARRELL), mittlerweile ein Superstar im Sinne von Toby Keith oder Garth Brooks (sic!) sich seines alten Freundes besinnt und dessen Songs adaptieren möchte, winkt spätes Geld und eine Karriere auf dem Rücksitz – aber was soll´s immer noch besser als gar nichts. Um von diesem Erfolg noch was mitzukriegen, muss sich Bad Blake sogar dem Fusel entziehen und damit tut er sich einen großen Gefallen, auch wenn er seine Liebe zu Jean dadurch nicht mehr aufflammen lassen kann.

JEFF BRIDGES füllt die Rolle des Bad Blake in der Verfilmung von Thomas Cobbs gleichnamigem Roman vollständig und wiederum mit Bravour aus. Er atmet die Rolle ein und aus und man kann den tragischen Antihelden fast riechen, ob man will oder nicht, schliesslich raucht er Kette und trinkt/schwitzt nahezu ununterbrochen.

Eigentlich ist „CRAZY HEART“ ein unspektakulärer Film, der den Zuschauer, auch wenn er deutliche Parallelen zu The Wrestler aufweißt, auf eine subtilere Weise in seinen Bann zieht.

Dieses mögliche „Auf und Ab“ im Leben, welches in Amerika sicherlich mehr mystifiziert wird als in Europa, wird einfach toll dargestellt, und zwischen Feelgood Movie und bukowskieskem Hinterhofgekotze  findet Jeff Bridges die richtigen Töne und Regiedebütant SCOTT COOPER die richtigen Einstellungen, um das Publikum mit auf diese Reise zu nehmen.
Bridges und auch Farell singen ihre Parts dann auch standesgemäß selber und T-Bone Burnett hat zusammen mit dem mittlerweile verstorbenen texanischen Songwriter Stephen Burton einen hervorragenden Soundtrack zusammengebastelt, von dem man noch einiges Hören wird.

Fazit: „Crazy Heart“ ist nicht so bunt wie The Wrestler, ist nicht so entrückt wie O Brother, Where Art Thou? und nicht so poliert wie I walk the line, dafür ist er aber ein glaubwürdiges Abbild der amerkanischen Countryszene hinter den Awards und macht trotz einiger trauriger Momente auch sehr viel Spass.

http://www.crazyheart.de/

FEHLFARBEN – Glücksmaschinen

17. März 2010

Knietief im Konsens!

Ein gute halbe Stunde Musik, verpackt in 8 Stücken. Das ist der neue Output der FEHLFARBEN, genannt:  „Glücksmaschinen

“. Ob sie es nun wollen oder nicht, aber „Monarchie und Alltag“ (das legendäre Alben von anno ´80) hängt der Band wie ein Mühlstein um den Hals.
Genau deswegen ist Peter Hein auch immer noch für viele Leute der beste deutsche Texter und die Band unangefochten auf der Seite der Guten der deutschen Popmusik.

Doch die Jahre ziehen ins Land und die Fehlfarben machen immer noch Musik mit Verstand.
Vielleicht aber doch zuviel davon, denn irgendwie wirkt die Platte kalt, eiskalt um genau zu sein, da mag man dem Packzettel kaum glauben, dass Produzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic etc.) hier viel live aufgenommen hat. Ein packendes Bandfeeling kommt nicht wirklich rüber. „Neues Leben“ etwa klaut ganz deutlich bei den Anfängen der „Deutsch Amerikanischen Freundschaft“ , „Respekt“ zitiert die eigene Bandgeschichte und funkt daher wie in den späteren 80-ern, einzig der Hein´sche Gefühlsausbruch zum Strassen-Thema „RESPEKT“ am Ende macht da richtig Spass. Und genau so böse muss Protest schon sein!! – denn zu leise macht das bestimmt Magenkrebs auf Dauer!!
FEHLFARBEN, das ist hier Deutschrock Musik mit relativ simpel umsetzten Punk und New Wave Wurzeln, durch zeitweisen, massiven Elektronik Einsatz fast schon in Richtung „Killers“ und „Mando Diao“ getrimmt, was bestimmt nicht gewollt ist aber trotzdem so klingt. Peter Hein gibt die eiskalte Parolenfräse.

Er hört sich (nicht nur einmal) an wie Helge Schneider, – nur hat eben dieser dem alltäglichen Wahnsinn wenigstens die „Gaga-Balla-Balla-Flucht-Variante“ entgegengesetzt – Peter Hein hingegen lässt sich  immer noch wie ein rotziger Teenager über die Sachen aus, die Ihn dauernd nerven: SMS, Sommergefühle, Stadtleben im Allgemeinen, Börsencrash Facebook und Fördergelder. Ehrlich gesagt ist das alles nichts Neues und ich brauche da auch nicht ständig upgedated werden. Auch so ein Wort, dass Peter Hein wahrscheinlich grauenhaft findet ;-). Egal, dafür finde ich GÜCKSMASCHINEN eben nicht so toll;  schade eigentlich, denn über etwas gewiefteren Protest hätte ich mich sehr gefreut, musikalisch sowieso!!

http://www.fehlfarben.com/

Trackliste:01. Glücksmaschinen 4:36
02. Stadt der 1000 Tränen 4:05
03. Neues Leben 5:05
04. Aufgeraucht 3:58
05. Im Sommer 3:48
06. Vielleicht Leute 5 5:08
07. Wir warten (Ihr habt die Uhr, wir die Zeit) 2:35
08. Respekt? 4:54

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FEHLFARBEN auf TOUR!!
26.03.10 – Lingen (D) – Alter Schlachthof
27.03.10 – Worpswede (D) – Music Hall
28.03.10 – Hamburg (D) – Uebel & Gefährlich
29.03.10 – Nürnberg (D) – Hirsch
30.03.10 – München (D) – Backstage (Werk)
31.03.10 – Salzburg (A) – Rockhouse
01.04.10 – Wien (A) – Szene
02.04.10 – Luzern (CH) – Konzerthaus
03.04.10 – Freiburg (D) – E-Werk (Pfeilerhalle)
04.04.10 – Schorndorf (D) – Manufaktur
05.04.10 – Regensburg (D) – Alte Mälzerei
06.04.10 – Rüsselsheim (D) – Das Rind
07.04.10 – Köln (D) – Luxor
08.04.10 – Leipzig (D) – Werk 2 (Halle A)
09.04.10 – Berlin (D) – Festsaal Kreuzberg
10.04.10 – Düsseldorf (D) – ZAKK
07.05.10 – Gera (D) – Haus der Pioniere
28.05.10 – Kiel (D) – Pumpe
29.05.10 – Hannover (D) – 60er Jahre Halle