Posts Tagged ‘Fehlfarben’

DAS RATINGER HOF BUCH – Verschwendete Jugend reloaded! (+Interview!)

13. September 2010

1977 – 1985 war Punk in Düsseldorf

Der „Ratinger Hof“ in Düsseldorfs Altstadt hat weit über Stadt und Landesgrenzen hinaus einen legendären Ruf. Als eine der Keimzellen des Punkrock in Deutschland gefeiert, gibt es nun, nach der Ausstellung „Zurück zum Beton“ und dem Doku Band von Jürgen Teipel „Verschwende Deine Jugend“ neuen Bild und Text Stoff über die alte Legende.

Ein aufwendig gestaltetes Fotobuch von Ralf Zeigermann in einer bedruckten Blechkassette, die zusätzlich zum Buch auch eine Reproduktion des Tickets für das Wire-Konzert von 1978 im Ratinger Hof sowie einen Druck des Titelbildfotos auf 350g/m2 Karton enthält, wird dem Kultladen erneut gehuldigt. Nicht ohne Grund, denn schließlich sind hier früher Bands wie Mittagspause, DAF, ZK und Fehlfarben gegründet worden und haben einst die ersten und vielleicht besten Punkbands von der Insel gespielt: Wire, 999, Pere Ubu, etc. .

Die Jahre 1977–1985 werden mit Text und Bild dokumentiert und die Protagonisten von damals kommen meist kurz und knapp zu Worte und egal wie nostalgisch man die Publikation bewerten mag (die längst vergriffene Bildbox „Guter Abzug“ von Richard „ar/gee“ Gleim, hatte die Messlatte ja bereits sehr hoch gelegt – einige Bilder tauchen übrigens auch hier wieder auf), die einmalige Entwicklung vom Hippie Kunst Bums zur angesagten Punk und New Wave Location ist und bleibt für alle Zeiten faszinierend und so kann sich jeder geneigte Leser auf spannende 168 Seiten freuen. Es fehlen eigentlich nur noch Geruchsproben und O- Töne.

INTERVIEW: Hier ein paar Fragen zum Buch an den Gestalter und Herausgeber Ralf Zeigermann
triggerfish.de: Was hat Dich dazu bewogen ein Buch über den Ratinger Hof

herauszubringen?

Zufall. Ich hatte meine alten Negative der Ratinger Hof-Aufnahmen ja wohlbehütet aufbewahrt, weil ich mir immer dachte, daß die etwas „besonderes“ wären, ein Zeitdokument eben. Und irgendwann kam dann Robert Wiegner auf mich zu mit der Idee, ein Buch zu machen. Da schlug ich ihm vor, doch etwas mit den alten Fotos zu machen. Dann wurde die Idee natürlich erweitert und ich kontaktierte all die, die damals mit dabei waren – zumindest die, die ich erreichen konnte. Und fast jeder hatte noch wunderbare Fotos und Geschichten in petto.

triggerfish.de: Warum „erst jetzt“ oder warum „gerade jetzt“?

… weiter geht es hier!!!! >>>

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FEHLFARBEN – Glücksmaschinen

17. März 2010

Knietief im Konsens!

Ein gute halbe Stunde Musik, verpackt in 8 Stücken. Das ist der neue Output der FEHLFARBEN, genannt:  „Glücksmaschinen

“. Ob sie es nun wollen oder nicht, aber „Monarchie und Alltag“ (das legendäre Alben von anno ´80) hängt der Band wie ein Mühlstein um den Hals.
Genau deswegen ist Peter Hein auch immer noch für viele Leute der beste deutsche Texter und die Band unangefochten auf der Seite der Guten der deutschen Popmusik.

Doch die Jahre ziehen ins Land und die Fehlfarben machen immer noch Musik mit Verstand.
Vielleicht aber doch zuviel davon, denn irgendwie wirkt die Platte kalt, eiskalt um genau zu sein, da mag man dem Packzettel kaum glauben, dass Produzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic etc.) hier viel live aufgenommen hat. Ein packendes Bandfeeling kommt nicht wirklich rüber. „Neues Leben“ etwa klaut ganz deutlich bei den Anfängen der „Deutsch Amerikanischen Freundschaft“ , „Respekt“ zitiert die eigene Bandgeschichte und funkt daher wie in den späteren 80-ern, einzig der Hein´sche Gefühlsausbruch zum Strassen-Thema „RESPEKT“ am Ende macht da richtig Spass. Und genau so böse muss Protest schon sein!! – denn zu leise macht das bestimmt Magenkrebs auf Dauer!!
FEHLFARBEN, das ist hier Deutschrock Musik mit relativ simpel umsetzten Punk und New Wave Wurzeln, durch zeitweisen, massiven Elektronik Einsatz fast schon in Richtung „Killers“ und „Mando Diao“ getrimmt, was bestimmt nicht gewollt ist aber trotzdem so klingt. Peter Hein gibt die eiskalte Parolenfräse.

Er hört sich (nicht nur einmal) an wie Helge Schneider, – nur hat eben dieser dem alltäglichen Wahnsinn wenigstens die „Gaga-Balla-Balla-Flucht-Variante“ entgegengesetzt – Peter Hein hingegen lässt sich  immer noch wie ein rotziger Teenager über die Sachen aus, die Ihn dauernd nerven: SMS, Sommergefühle, Stadtleben im Allgemeinen, Börsencrash Facebook und Fördergelder. Ehrlich gesagt ist das alles nichts Neues und ich brauche da auch nicht ständig upgedated werden. Auch so ein Wort, dass Peter Hein wahrscheinlich grauenhaft findet ;-). Egal, dafür finde ich GÜCKSMASCHINEN eben nicht so toll;  schade eigentlich, denn über etwas gewiefteren Protest hätte ich mich sehr gefreut, musikalisch sowieso!!

http://www.fehlfarben.com/

Trackliste:01. Glücksmaschinen 4:36
02. Stadt der 1000 Tränen 4:05
03. Neues Leben 5:05
04. Aufgeraucht 3:58
05. Im Sommer 3:48
06. Vielleicht Leute 5 5:08
07. Wir warten (Ihr habt die Uhr, wir die Zeit) 2:35
08. Respekt? 4:54

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FEHLFARBEN auf TOUR!!
26.03.10 – Lingen (D) – Alter Schlachthof
27.03.10 – Worpswede (D) – Music Hall
28.03.10 – Hamburg (D) – Uebel & Gefährlich
29.03.10 – Nürnberg (D) – Hirsch
30.03.10 – München (D) – Backstage (Werk)
31.03.10 – Salzburg (A) – Rockhouse
01.04.10 – Wien (A) – Szene
02.04.10 – Luzern (CH) – Konzerthaus
03.04.10 – Freiburg (D) – E-Werk (Pfeilerhalle)
04.04.10 – Schorndorf (D) – Manufaktur
05.04.10 – Regensburg (D) – Alte Mälzerei
06.04.10 – Rüsselsheim (D) – Das Rind
07.04.10 – Köln (D) – Luxor
08.04.10 – Leipzig (D) – Werk 2 (Halle A)
09.04.10 – Berlin (D) – Festsaal Kreuzberg
10.04.10 – Düsseldorf (D) – ZAKK
07.05.10 – Gera (D) – Haus der Pioniere
28.05.10 – Kiel (D) – Pumpe
29.05.10 – Hannover (D) – 60er Jahre Halle

OB Erwin nach langem Krebsleiden gestorben!

21. Mai 2008

Der Kilometer zeigt 153,2!!
Also ohne Sport geht nix. Heute sollte ich hoffentlich die Zeit dafür finden.
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OB Erwin nach langem Krebsleiden gestorben!

Ich zitiere zu diesem Anlass den Kollegen Thorsten Schaar aus seinem gelungenen Artikel: „If it´s too loud, you´re too old“, welchen er zu der zakk Jubiläumsbroschüre beigesteuert hat. (den link zu einem „Nachruf“ gibt es unten).

Bilker Allee, August 2001:
Als ich mit ein paar Freunden den Metzgerei Schnitzel Kunstverein e.V. gründete (2001 – The year that Aggro Berlin broke), besaß ich längst eine imaginäre zakk-Dauerkarte auf Lebenszeit. Unser kleines Wohnzimmer in einer ehemaligen Tankstelle in Bilk atmete von der ersten Sekunde jenen Pioniergeist, der auch die Gründer des zakk Ende der 70er beflügelt haben muss. Wenn wir heute an unserem Kaminfeuer in der „Brause“ zusammen sitzen, erzählen wir immer wieder legendenträchtig darüber, wie wir im zakk einmal die Bundestagswahl gewannen. Im Sommer 2002 hatten wir mit allen verfügbaren lokalen Musikern einen Anti-Stoiber-Song aufgenommen („Bleib da, wo der Radi wächst“). Die All-Star-Band seinerzeit hieß ursprünglich „J. Erwin Blues Explosion“, was allen Beteiligten eine Unterlassungsklage des Oberbürgermeisters einbrachte. OB Erwin hatte sich tatsächlich eingebildet, sein ehrenwerter Name sei befleckt worden. Am Wahlsonntag zelebrierten wir das Stück einmalig live mit allen Gastsängern (von Peter Hein/Fehlfarben über Bodo Goliasch/Stunde-X bis hin zu Andrew Uhlemann/Hack Mack Jackson), um später auf der Großleinwand in der zakk-Halle den verhinderten Bundeskanzler bei seiner versehentlichen Jubelfeier auszulachen. Immer wieder stellen wir seither fest, dass wir bei einzelnen zakk-Konzerten mehr Mitglieder unseres Kunstvereins treffen als bei der letzten Mitgliederversammlung. Nicht nur deswegen verlegten wir das Konzert zum „Goldenen Goldfisch“, unserem unregelmäßig regelmäßig stattfindenden Düsseldorfer Band-Video-Wettbewerb, in den zakk-Club. Die Auftritte der Phoneheads (2003) und The Untrue (2006) gelten natürlich als „legendär“.

Fichtenstraße, August 2017:
Joachim Erwin ist immer noch Oberbürgermeister, Polizeichef und Architekt der Landeshauptstadt, Christina Begale seine rechte und linke Hand. Die einzige Opposition gegen den Selfmade-Millionär formiert sich in Flingern. Serdar Somuncu hat sich anlässlich des 40. Geburtstags des zakk an die Spitze einer Bewegung gestellt, die weitere Kahlschläge nicht mehr hinnehmen will. Nach ehedem Trödelmarkt Les Halles, Tonhallenterrasse und Monkey´s Island wurden in der Zwischenzeit weitere liebenswerte Örtlichkeiten zu Grabe getragen. Die Kiefernstraße zieren nunmehr beiderseitig luxuriöse Town Houses, das „Laternchen“ fristet ein trauriges Dasein als Gosch-Filiale und das zakk musste dem Erwin-Tower weichen (übertrifft den Bursch Dubai um fünf Meter). Bei der Lesung von Max Goldt kurz vor Weihnachten, übergangsweise im 99. Stock des Erwin-Towers abgehalten, werden erstmals Plastikbecher verteilt.“

Das oben angesprochene Video wird aus aktuellem Anlass genau hier eingebunden!
… seinerzeit war, ganz kurz vor der Wahl und auch der POKOMM in Köln(!) über den OB auf jedem Zeitungskasten zu lesen: „KEIN HUMOR HERR ERWIN? Ob verbietet den Radi song!“ Diese Express Schlagzeile hängt noch immer noch in unserem Büro, denn weder vorher noch nachher hat weder mich, noch einen unserer Mitstreiter jemand auf soooo dermassen viel Geld abgemahnt und verklagt!!! Das sitzt tief und hält lange! (R.I.P.)
In der NRZ hat Frank Preuss sowas wie einen Abrechnungsnachruf geschrieben. Finde wohl nicht nur ich persönlich in dieser Schärfe falsch getimed, daher sind auch die Kommentare interessant zu lesen…!!

here we go: